Das Ofenhaus

 
Gebäudebezeichnung Stadtwerke Augsburg: Gebäude Nr. 2

Hier wurden im zweiten Weltkrieg 15 Tonnen ( ! ) AKTIEN Papiere zwei Tage lang verbrannt und damit Gas erzeugt.
Da das Aktienpaket einen Wert von etwa 8 Milliarden gehabt hatte, wurde vermutlich das "Teuerte Gas der Welt" in diesem Gebäude erzeugt.
Siehe dazu Roman "Tag null - Tag eins" von Hans Prölss unter http://ds1.dreifels.ch/pinoy/page.asp?DH=81 unter Kapitel 4 Seite 54
 
Das Ofenhaus wurde zwischen 1913 und 1915 (vom Eingang aus gesehen) links neben dem Behälterturm gebaut.
Es besitzt ein sogenanntes Tonnendach, hat südlich eine leichte Ausbuchtung, an der auch Zirbelnüsse angebracht sind, so "erinnert" das Gebäude sehr an das Augsburger Rathaus.
Bis 1956 befanden sich darin die Öfen, worin das Stadtgas erzeugt wurde.
Von den insgesamt 10 Kaminen wurden 5 Stück 1939 abgerissen, die restlichen 5 Kamine beim Abbruch der gesamten Ofenanlage (1956).

Beim Arbeiten war es im Gebäude teilweise so heiß, das die Arbeiter Holzschuhe angezogen haben. Zur Kühlung haben die Arbeiter die Schuhe auch mal in einen Eimer mit Wasser getaucht und dann die nassen Holzschuhe wieder angezogen.

Seit dem Abbau der Ofenanlage (1969/70) lagerte bis 2007 das Stadttheater darin seine Bühnenkulissen.
Erbaut etwa 1915, steht heute noch!

Eine genaue Beschreibung, wie aus der Kohlen in den Öfen das Gas erzeugt wurde findet man unter http://de.wikipedia.org/wiki/Kokerei

Die Öfen:

1915 wurden 4 Retorten-Öfen zu je 20 Retorten, Bauart Pintsch-Bolz (Vertikalöfen) in Betrieb genommen (später 7 Retorten-Öfen zu je ca. 7000 m³ täglich).
1931 Aufbau der neuen "DOG" Öfen durch die Deutsche Ofenbaugesellschaft Leipzig. 2 Vertikalkammeröfen mit 10 und 4 Kammern von je 1,9 t Ladegewicht (Naßbetrieb)
1938 Abbruch des östlichen Ofenblockes ("Pintsch" Öfen).
1939 Inbetriebnahme der Vertikalkammer-Öfen (Firma Klönne; 4 Öfen mit je 7 Kammern zu 3,3 t, Leistung 75.000 m³).
1944 Ofen 5 (Firma Klönne; mit 4 Kammern) in Betrieb (Baubeginn 1942). 2 Kammern des Ofens wurden für Holzkohlen-Erzeugung eingerichtet.
1945 Einstellung des Ofenbetriebes (wegen des Krieges) vom 3. bis 11. März, 19. und 21. Mai,
30. Mai bis 3. Juni, 7.bis 28. August.
1946 Erneuerung der Ofenaufmauerung an Öfen 1 und 2.
1947 Erneuerung der Mauerung an Öfen 3 und 4 und an den Flammrohrkesseln.
1948 Erneuerung der Mauerung an Ofen 5.
1954 Die (Klönne) Ofenanlage kam außer Betrieb. Der neue Ofen (Firma Still) war bereits seit 1951 in Betrieb und wurde erweitert. Dadurch wurde die "alte" Ofenanlage nicht mehr benötigt.
1956 Es erfolgte der Abbruch der (Klönne) Öfen.
Anschließend befanden sich darin bis etwa 1969 die Generatoren für das "Generatorengas"

Rechts sieht man den Wasserturm mit der Uhr, darunter der Eingang zum Sozialgebäude, links das Ofenhaus (mit Rauch) dahinter das Kohlensilo und ganz links am Rand das Koksseperationsgebäude (Förderband). (vermutlich 1915)
Ansicht von Südost
© und Bildquelle: Archiv Gaswerksfreunde Augsburg e.V.


Das Ofenhaus im Augsburger Gaswerk früher
Ansicht von Südwesten
© und Bildquelle: Archiv Gaswerksfreunde Augsburg e.V.


Das Ofenhaus im Augsburger Gaswerk mit dem Wasserturm
Oben Links am Dach sieht man noch, wo früher der Verbindungssteg zum Kohlensilo war.
Ansicht von Südwesten
© und Bildquelle: Oliver Frühschütz


Das Ofenhaus heute (mittig an den vier ovalen Fenstern 5 Zirbelnüsse)
Ansicht von Süden
© und Bildquelle: Oliver Frühschütz

Das Ofenhaus im Augsburger Gaswerk mit dem Durchgang zum Behälterturm
Ansicht von Südosten
© und Bildquelle: Oliver Frühschütz

Ofenhaus Gaswerk Augsburg

Kohlebunker innen über den Öfen (Dachboden) mit Hängebahn

© und Bildquelle: Gaswerksfreunde Augsburg e.V.